Feed auf
Postings
Kommentare

In der militärischen Forschung scheint das Exoskelett heute nicht mehr nur eine Fantasie zu sein. Exoskelette sind “Roboteranzüge” – Stützstrukturen, die den menschlichen Körper umschließen und es ermöglichen, die Muskeln ihres Trägers zu entlasten und seine Kraft bedeutend zu verstärken. So ausgestattet, kann ein Soldat selbst schweres Gepäck über große Entfernungen mit sich führen.

Denkbar ist auch die Entwicklung einer vollwertigen “Rüstung”, die Soldaten der Zukunft weit zuverlässiger gegen Waffenbeschuss schützen würde, als das die heutigen Panzerwesten tun.

Experimentelle Arbeitsmuster eines Exoskeletts für den Armeebedarf existieren bereits in den USA. Dort entwickelt mit Lockheed Martin einer der Giganten der Weltraumindustrie das HULC-System (Human Universal Load Carrier).

HULC basiert auf einer Lizenzvereinbarung zwischen Lockheed Martin und der Firma Berkeley Bionics, deren Exoskelette ExoClimber und ExoHiker speziell für steile Aufstiege beziehungsweise lange Märsche geschaffen wurden. HULC soll nun ihre jeweiligen Vorzüge in sich vereinen.

Exoskelette verfügen über einen hydraulischen Antrieb, der es dem Menschen ermöglichen soll, sich praktisch uneingeschränkt zu bewegen: zu laufen, zu sitzen, in die Hocke zu gehen oder auch zu liegen. Im militärischen Einsatz könnte damit die maximale Traglast auf 90 bis 100 Kilogramm erhöht werden, was es erlauben würde, etwa den Munitionsumfang und das Panzerungsgewicht erheblich zu vergrößern, ohne die Mobilität des einzelnen Infanteristen zu senken.

Solche Perspektiven würden die Kampfkraft und Belastbarkeit von Verbänden vervielfachen, so dass zahlenmäßig kleinere Einheiten Kampfaufgaben lösen könnten, die in herkömmlicher Form bedeutend größere Kräfte erfordern.

Noch steht der Nutzung dieser Wundertechnologie allerdings die Frage der Energieversorgung im Wege: Bisher fehlt es an einer tragbaren Energiequelle, mit der die Hülle über längere Zeit autonom funktionieren könnte. Akku-Batterien gewährleisten lediglich eine Stunde Dauerbetrieb. Doch das sollte die weitere Entwicklungsarbeit nicht aufhalten. Früher oder später wird auch dieses Problem gelöst werden.

Neben der militärischen Verwendung wird den Exoskeletten auch eine große Zukunft in Industrie und Medizin prophezeit. Im Gesundheitswesen könnten sie beispielsweise Behinderten und Senioren, die heute auf den Rollstuhl angewiesen sind, zu einer weit größeren Bewegungsfreiheit verhelfen.

Wann solche fantastischen Möglichkeiten Realität werden, ist umstritten. Je nach Skepsis der Befragten werden meist fünf bis 15 weitere Jahre Entwicklungszeit bis zur Serienreife erster Exoskelette genannt und von 20 bis 40 Jahren für eine kugelsichere Exoskelett-Schutzausrüstung, die beträchtlich schwerer wäre als heutige Muster und dadurch eine umso leistungsfähigere Energiequelle nötig macht.

Solche Gerätschaften sind einstweilen noch Fantasy-Weltraumwelten wie im Computerspiel “Warhammer 40k” vorbehalten, wo furchtlose kosmische Landetruppen damit operieren. Von ernsthafter veranlagten Menschen mögen sie deshalb belächelt werden.

Doch auch Raumschiffe, Flugzeuge, U-Boote und viele andere Dinge, die uns heute wie selbstverständlich umgeben, galten vor ihrer Zeit einst als unvorstellbar. Heute dagegen sind sie Alltag. Einst wird das auch für die energiegespeiste Rüstung gelten.

Kommentar abgeben